
Stiftung Bauhaus Dessau
Im Jahr 1945 wurde das von Walter Gropius entworfene Gebäude des Bauhauses in Dessau teilweise zerstört. Notdürftig repariert, fand es in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Verwendung als Schulgebäude. Erst 1976 wurde das Haus denkmalgerecht rekonstruiert, als die DDR das Bauhauserbe für sich wiederentdeckte und für ihre politischen Zwecke einzusetzen begann. Heute ist dieser Originalschauplatz der Bauhausgeschichte Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau. Die 1994 von Bund, Land und Stadt gegründete Institution widmet sich in Dessau-Roßlau der Bewahrung eines reichhaltigen Erbes und leistet zugleich Beiträge zur Gestaltung der heutigen Lebensumwelt. Sie ist ein kultureller Leuchtturm in den neuen Bundesländern.
Mit 26.000 Objekten besitzt die Stiftung die weltweit zweitgrößte Bauhaus-Sammlung. Ein Teil davon ist in der Dauerausstellung „Werkstatt der Moderne“ zu besichtigen, die vor allem in die Dessauer Zeit des Bauhauses von 1925 bis 1932 einführt. Sie reflektiert damit eine Phase, in der sowohl der Schulbetrieb als auch Werkstätten und Architekturabteilung ihre größte Ausstrahlungskraft entfalten konnten.
Die Akademie als Säule der Lehre bietet unter anderem mit dem Internationalen Bauhaus Kolleg ein interdisziplinäres Lehrangebot in englischer Sprache an, das sich vor allem an Architekten, Stadtgestalter und Urbanisten richtet. In Dessau und vor Ort in wechselnden Städten in der ganzen Welt gestattet das Kolleg jungen Professionellen aus Architektur und Kunst, Design und Geisteswissenschaften einen Einblick in die komplexen Realitäten zeitgenössischer Städte. Jährliche Sommerschulen zu verschiedenen Themen ergänzen das Programm.
Die neue Werkstatt widmet sich architektonischen und stadtplanerischen Problemen der Gegenwart. Zuletzt richtete sie die „Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010” in 19 Klein- und Mittelstädten Sachsen-Anhalts aus. In den acht Jahren des Projektes ist am Dessauer Bauhaus ein Kompetenzzentrum für die Veränderungen und Zukunftsperspektiven in schrumpfenden Städten entstanden.
In Dessau-Roßlau gehen Welterbe und Aktualisierung eine produktive Allianz ein. Mehr als 100.000 Besucher aus aller Welt besuchen deshalb jährlich die Bauhausstadt in Sachsen-Anhalt, um dem Geist der prägenden Hochschule für Gestaltung am Ort selbst nachzuspüren. Hier lernen Touristen und Fachleute das Bauhaus in seiner ganzen Vielschichtigkeit kennen – an einem nach wie vor lebendigen Zentrum für wissenschaftlichen Diskurs und Gestaltungsfragen, einem Ort spannender Ausstellungen und einzigartiger Veranstaltungen inmitten historischer Bauten. Mit den Meisterhäusern und dem Arbeitsamt von Walter Gropius, dem Kornhaus von Carl Fieger, den Laubenganghäusern von Hannes Meyer oder dem Stahlhaus von Georg Muche und Richard Paulick sind in Dessau-Roßlau Schlüsselwerke einer internationalen Moderne der Architektur zu besichtigen.
Idee und Orte
Die dem Bauhaus zugrunde liegende, von Walter Gropius formulierte Idee war der Wunsch, eine neue Einheit von Handwerk, Kunst und Technik zu schaffen, die die Voraussetzung für die Realisierung eines Gesamtkunstwerks bieten sollte. Um diese Einheit zu erreichen, sollten künstlerisch begabte Menschen an einer interdisziplinär arbeitenden und international ausgerichteten Schule unterrichtet werden. Daher stand am Bauhaus eine Kombination aus Forschung, Lehre und Praxis auf dem Stundenplan, die an den gleichzeitig bestehenden Akademien und Kunstgewerbeschulen nicht angeboten wurde.
Walter Gropius, Gründer und erster Direktor des Bauhauses, hielt in seinem Gründungs-Manifest aus dem Jahr 1919 dem zeitgenössischen Kunstbetrieb, dessen Produkt er als arbeitsteilige, ideenlose Salonkunst sah, das bewusste „Mit- und Ineinanderwirken aller Werkleute“ entgegen. Mehr als eine bauliche oder handwerkliche Vision, ist das Gropius-Manifest von einer erzieherischen Vision geprägt, die den jungen, noch formbaren Künstler im Fokus hat: „Wenn der junge Mensch, der Liebe zur bildnerischen Tätigkeit in sich verspürt, wieder wie einst seine Bahn damit beginnt, ein Handwerk zu erlernen, so bleibt der unproduktive ‚Künstler‘ künftig nicht mehr zu unvollkommener Kunstübung verdammt ...“.
Ziel der Verbindung von Kunst und Handwerk, deren Vorbild Gropius in der Zusammenarbeit der Gewerke in den Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen sah, war die Schaffung des Gesamtkunstwerks. Durch die Realisierung von Kunstwerken, die durch das Zusammenwirken der Bildenden- und der Darstellenden Künste sowie der Musik entstanden, sollte nicht ein auf seine reine ästhetische Bedeutung beschränktes Werk entstehen, sondern die Umwandlung der sozialen Wirklichkeit zu einer erneuerten Gesellschaft unterstützt, wenn nicht gar bewirkt werden. So wie die Bauhütten den Kathedralen-Bau erst ermöglichten, so sollte sich das Bauhaus als Versuchslabor eines Baus der Zukunft verstehen. Dass Gropius vier Jahre später eine neue Einheit aus Kunst und Technik beschwor, sollte an der Grundidee nichts ändern.
So unterschiedlich die Kunstgattungen, die Stilrichtungen und die prägenden Persönlichkeiten waren, das historische Bauhaus blieb bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten ein synergetisches Projekt. In diesem Sinn hat es auch keinen oft irrtümlich zitierten „Bauhaus-Stil“ gegeben. Verbindlich für das historische Bauhaus zwischen 1919 und 1933 war seine Programmatik, unter der in maximaler Verdichtung viele Stilrichtungen gleichzeitig angewendet wurden, vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit.
Quelle: Texte und Bilder aus: www.bauhaus-online.de
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